Es war einmal ein Maulwurf. Dieser hatte ein kleines, steiniges Feld vom Löwen gepachtet. Dieses pflügte der Maulwurf Jahr für Jahr, sammelte Steine von diesem und baute Gemüse an. Von seiner Ernte gab er dem Löwen einen gerechten Anteil und beide waren zufrieden.
Eines Tages kroch die Schlange am Feld des Maulwurfs vorbei und sah den Maulwurf bei der Ernte. “Gemüse”, dachte die Schlange, “dass will ich auch ernten.” Die Schlange begab sich zu ihrem Freund dem Löwen und sagte: “Ich esse schon seit Jahren Gemüse. Das macht mich zur einer Gemüse-Expertin. Deswegen kann ich besser pflügen, Steine sammeln, Gemüse anbauen und ernten als der Maulwurf. Überlass mir ein Teil des Ackers und du wirst schon sehen.” Der Löwe war von diesen Worten überzeugt und sagte zu.
Frohen Mutes kroch die Schlange zum Maulwurf. “Der Löwe sagt, dass du mir einen Teil deines Ackers geben musst. Und Saatgut noch dazu!”, zischte die Schlage. Und so geschah es. Der Maulwurf gab der Schlage einen Teil seines Ackers und einen Teil seines Gemüses als Saatgut.
Als erstes schob die Schlange Steine zusammen und baute eine Mauer rund um ihren Teil des Ackers. “Damit du mich nicht dauernd stört, Maulwurf!”, rief die Schlange über ihre neue Mauer. Jetzt, als sie alleine war, wollte sie mit dem Säen beginnen. Aber sie hatte keine Grabschaufeln wie der Maulwurf und da der Boden steinig war, konnte sie ihre Saat nur mit dem Schwanz in die Erde drücken. “So sind Maulwürfe”, schimpfte die Schlange vor sich hin, “lassen einen mit der schweren Arbeit ganz alleine”. So bestellte sie ihr Feld und wartete auf den Herbst.
Weil sie aber ihr Saatgut nicht richtig eingegraben hatte, war es nur mit wenig Erde bedeckt. So bekam es Kälte ab und Wind und Regen und Schnee, und als der Herbst kam, waren die Früchte klein und schrumpelig und die Schlange war unzufrieden mit ihrem Gemüse. Sie kroch über ihre Mauer zum Maulwurf.
“Maulwurf, ich habe ein Geschenk für Dich. Du darfst mein Gemüse ernten und meinen Anteil dem Löwen präsentieren. Ich kann nicht so schwer tragen und irgendwie ist auch deine Ernte, denn Du hast mir das Saatgut gegeben und ich will meinen Erfolg gerne mit dir teilen. Ich mache mich schon mal auf den Weg zum Löwen und erkläre ihm alles.”
Während der Maulwurf mit der Ernte zurückblieb, kroch die Schlange zum Löwen und sagte: “Löwe ich muss ich mich auf eine Reise begeben. Der Maulwurf wird meine Ernte mitbringen und ich denke Du wirst zufrieden sein. Um den Maulwurf nicht zu blamieren, habe ich meine Ernte mit unter die seine gemischt. Mach es gut, ich muss dann auch los.” Der Löwe verabschiedete sich von der Schlange, dankte ihr und wartete auf dem Maulwurf und seinen Anteil.
Als der Maulwurf ankam und dem Löwen seinen Anteil präsentierte, war er unzufrieden und rief: “Was ist denn in diesem Jahr los? Warum sind die Möhren so gross und die Kartoffeln so klein und schrumpelig? Sonst war dein gesamtes Gemüse immer wohl gewachsen.”
“Das kann ich mir auch nicht erklären, Freund Löwe”, entgegnete der Maulwurf. “Der Acker der Schlange ist wohl für Kartoffeln ungeeignet.”

Die Schlange durchwatete sodann den Fluss an seiner reinsten und flachsten Stelle. “Freut mich, dass ich helfen konnte!” rief ihr der Maulwurf noch nach und rückte unauffällig ein bisschen näher an die Seite des unbesiegbaren Löwen. Beide schauten gedankenverloren bergab den Fluss hinunter, und sahen in der Ferne den Bau eines Biebers unter der Last des Stromes ächzen.
Und rings herum ward niemand mehr gesehen.