Die Jungs von 37signals haben über Software-Entwicklung geschrieben. Genauer gesagt haben sie ein Buch über ihr Vorgehen geschrieben. Noch genau gesagt ist es ein “Buch”, denn das so genannte ist eine 171 Seiten starke .pdf Datei, die man für $19 auf ihrer Seite kaufen kann.
Bei wem der Namen 37signals keine “Ach, die!”-Reaktion auslöst, hier eine schnelle Zusammenfassung: 37signals haben Ruby on Rails (ein Framework zur Entwicklung von Ruby-Applikationen) aus der Taufe gehoben, haben mit diesem mehrere extremst populärer Web-Applikationen (Basecamp, Backpack,…) entwickelt und nebenbei noch ein Buch über Web Usability namens Defensive Design for the Web geschrieben.
Ihr aktuelles Werk haben sie Getting Real getauft. Ihn ihm beschreiben sie die Philosophie, mit der bei 37signals Software entwickelt wird. Mit ihrem Buch scheinen sie sich sehr an The Cathedral and the Bazaar orientiert zu haben, an dem Manifest der OpenSource-Entwicklung, denn Getting Real ist weniger Anleitung und mehr agiles Manifest. (Obwohl es dies ja bereits gibt):
Getting real is less. Less mass, less software, less features, less paperwork, less of everything thats not essential most of what you think is essential actually isnt). Getting Real is staying small and being agile.
Auf der Getting Real-Seite kann man ein wenig für Lau lesen und sich einen ersten Eindruck über den Inhalt des “Buches” verschaffen.
Eine interessante These ist mir beim Stöbern aufgefallen - nämlich die, dass nutzerzentriertes Entwickeln bei ihnen “rückwärts” durchgeführt würde. Rückwärts in dem Sinne, dass sie mit dem Layout der Screens beginnen, eine Tätigkeit die bei klassischer Software-Entwicklung nicht am Anfang steht.
Getting Real starts with the interface, the real screens that people are going to use. It begins with what the customer actually experiences and builds backwards from there. This lets you get the interface right before you get the software wrong. Getting Real is about iterations and lowering the cost of change. Getting Real is all about launching, tweaking, and constantly improving which makes it a perfect approach for web-based software. Getting Real delivers just what customers need and eliminates anything they dont.
Ähnlich hat sich Don Norman in seinem Artikel Why Doing User Observations First is Wrong auf uigarden.net über Design geäußert:
The more I examine this issue, the more I think that it is we, the HCI community, who are wrong. This includes me, for I have long championed the study first, design second approach. Well, I now suggest that for many projects the order is design, then study.
Spannend zu sehen, dass Agile als Thema immer mehr Momentum gewinnt. Auch bei den Usability-Leuten hat man von dem Thema mittlerweile gehört, aber welche Rolle Usability dabei spielt, dass scheint noch nicht klar zu sein. Zumindest habe ich dazu noch nichts erhellendes gefunden.
Aber zurück zu 37signals. Wer mehr erfahren will, dem sei ihr Blog Signals and Noise ans Herz gelegt und ein gutes Interview in mybusinessmag.com. Ausserdem noch ein paar Links zu ausführlichen (englischen) Reviews des Buches:
Ach ja, ich selbst überlege noch, ob ich mein Geld in eine .pdf Datei investieren soll. Eigentlich bevorzuge ich ja Bücher. Mal schauen.
Und über Agile schreibe ich vielleicht die Tage mehr…

Hmm, Kai Pahl hat “Getting Real” im April ziemlich verissen:
http://www.google.com/search?q=37signals+site%3Akaipahl.de
Sein Blog ist gerade Offline, aber du findest den Eintrag noch im Google-Cache:
Na , klar. Das geht es dabei nicht primär um Inhalte, sondern um das Predigen an sich. Agile soll mit dem Buch gehypt werden (zack, Angriff der Denglizismen) und natürlich ist das auch ein Marketingwerkzeug für 37…