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ohne Monitor - ohne Recht

28.06.06 | 3 Kommentare

Folgender Text über eine WAZ-Tochter in Bulgarien und deren Gebaren dort, ist seit gestern auf Boing Boing zu finden:

Am 9. Mai hat der bulgarische Verlag ‘Trud’, der zu der deutschen ‘Westdeutsche Allgemeine Zeitung’-Verlagsgruppe gehört, einen Brief, in dem rechtliche Schritte angedroht werden, an eine Web Bibliothek für Blinde versandt - bezmonitor.com (der Name bedeutet “ohne Monitor”). Das Verlagshaus behauptet, dass es die Verlagsrechte von bestimmten bulgarischen Klassikern besitzt und von Übersetzungen fremdsprachiger Bücher, die auf der Webseite im ASCII-Format existieren, einem Format, das von Sprachausgabe-Programmen vorgelesen werden kann. Der Autor der Webseite, Victor, der auch blind ist, betreibt seine Seite alleine und ohne finanziellen Gewinn. Obwohl er die fraglichen Texte von seiner Seite entfernt hat, berichtet er Dr. Grigor Gatchev von dem Fall, der ein anerkannter Übersetzer, Autor und bekannter Blogger ist.

Am Abend des 14. Mai schreibt Dr. Grigor Gatchev im Detail über den Fall in seinem privaten Weblog und hunderte von Menschen geben ihrer berechtigten Entrüstung Ausdruck über das unmoralische Verhalten des finanzstarken Verlagshauses. Die Nachricht verbreitet sich schnell über das Internet und erreicht über 50 Webseiten und um die 90 Foren. Hunderte von E-Mails erreichen die Niederlassung des Verlagshauses, in denen eine Erklärung ihres Verhaltens gefordert wird, das jeder rechtlichen Grundlage entbehrt. ‘Trud’ lehnt es ab Dokumente vorzulegen, die den angeblichen Besitz des Copyrights belegen [...]

Bulgarische Bürger und Organisationen für Blinde, wie z.B. die Gesellschaft ‘Eyesight’ und die Nationale Bibliothek für Blinde ‘Louis Braille’ informieren die bulgarischen Medien über das Verhalten des Verlagshauses ‘Trud’, dem selbst einige große Tageszeitungen gehören. ‘Trud’ versucht zu verhindern, dass die Geschichte publik gemacht wird, da der Besitzer des Verlagshauses auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der bulgarischen Verleger ist. Und die meisten Medien bleiben still. Nur ein paar unabhängige Zeitungen geben der Empörung der Menschen eine Stimme.

Das Verlagshaus ‘Trud’ ist aufgebracht und will Rache. Dazu kontaktiert es die Abteilung zur Bekämpfung organisierter Kriminalität und verlangt die Schließung der Webseite, obwohl die fraglichen Texte bereits seit langem entfernt sind. Die Abteilung, obwohl sie eine staatliche Einrichtung ist, hat bereits den sehr schlechten Ruf Firmeninteressen zu vertreten und hat bereits illegale Verhaftungen in früheren Fällen durchgeführt. Ein Anruf der Abteilung bei dem blinden Entwickler der Webseite, Viktor, lässt ihn alle Texte aus Angst vor Verhaftung entfernen, die zwar illegal und unmoralisch wäre, seine Gesundheit gefährden würde.

(Englischsprachiges Orginal auf protest.bloghub.org, gefunden bei Boing Boing)

In wie weit die deutsche WAZ-Mediengruppe aktiv an diesem Vorfall beteiligt ist, kann ich nicht sagen. Was mir aber zu denken gibt ist, dass ein Großteil der Medien nicht über den Fall berichten wollte. Die WAZ ist DER Zeitungskonzern in Bulgarien. Mit ihren überregionalen Tageszeitungen kontrolliert sie ca. 80%, mit ihren Regionalblättern 60% und mit ihren Wochenzeitungen 50% des Marktes.

Vielleicht sollten sich auch Konzerne einfach mal das WM-Motto “Zu Gast bei Freunden” zu Herzen nehmen und nicht nur Daumen drücken, dass unbequeme Themen durch die Fußballweltmeisterschaft einfach hinten rüber fallen.

Blogs zu dem Thema:

protest.bloghub.org

blog.urbanant.tv

criticalconsumer.blogspot.com

WAZ und Trud:

WAZ Medien Gruppe - Bulgarien

European Jounalist Centre - Bulgarian Media Landscape

Verdi - Deutsche Verlage in Osteuropa

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